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5 In GREEN LIFESTYLE/ Wissenswertes

Nachhaltig angezogen: Ethical Fashion, Eco Fashion, Fair Fashion

fair fashion

Wir finden Fair Fashion gehört zu einem nachhaltigen Lebensstil ebenso dazu, wie Lebensmittel aus ökologischem Anbau zu konsumieren, so wenig wie möglich zu fliegen (weniger als einmal pro Jahr) und so wenig Müll wie möglich zu produzieren.

Wenn man Zuschauer hat, ist es manchmal einfacher, einen Vorsatz umzusetzen, weil man es auf einmal nicht mehr nur für sich selbst tut.

Fast 2 Jahre ist es nun her, dass wir uns zusammengesetzt und „Der Veg ist das Ziel“ gegründet haben. Damals war die Hauptidee, dass der Blog uns dabei helfen sollte, unserem Entschluss treu zu bleiben: Keine Tiere und auch immer weniger tierische Produkte konsumieren. Wenn man Zuschauer hat, ist es manchmal einfacher, einen Vorsatz umzusetzen, weil man es auf einmal nicht mehr nur für sich selbst tut.

Insofern habt ihr uns auf unserem Veg sehr unterstützt, so wie auch wir hoffen, euch mit unseren Rezepten ein wenig Unterstützung oder doch zumindest Inspiration gegeben zu haben. Vielen Dank dafür.

Die zweite Funktion unseres Blogs besteht darin, uns ein Sprachrohr zu geben, um die Aspekte der Nachhaltigkeit zu beleuchten und niederzuschreiben, die uns begegnen. So schrieben wir über nachhaltige Banken und Stromanbieter, über nachhaltige Messen und Festivals, lokale Bioläden und über weniger Plastikkonsum (Gastbeitrag von Jenni von Mehr als Grünzeug).

Und auch nachhaltige, faire Mode fand schon häufiger unsere Aufmerksamkeit (z.B. hier hier oder hier.) Jedoch ist uns dieses Thema so wichtig, dass wir ab sofort regelmäßig darüber schreiben möchten. Aber fangen wir mal ganz von vorne an:

Was ist nachhaltige Mode?

fair fashion

Nachhaltige Mode hat viele Namen: Eco Fashion, Fair Fashion, Ethical Fashion, Faire Mode und vieles mehr. Die einzelnen Ausprägungen unterscheiden sich durch ihren jeweiligen Schwerpunkt, durch Feinheiten oder sind ein Zusammenschluss aus mehreren Ausprägungen. Wir persönlich verstehen unter nachhaltiger Mode Kleidung, aber auch Accessoires, die unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Fair bedeutet, dass die Arbeiter*innen angemessen (existenzsichernd) entlohnt werden, dass keine Kinderarbeit toleriert wird und dass die Arbeiter*innen keinen besonderen gesundheitlichen Risiken wie toxischen Färbemitteln ausgesetzt werden. Für uns geht nachhaltige Mode auch mit Stoffen aus biologischem Anbau einher, da damit eine langfristige Bodenfruchtbarkeit gewährleistet werden kann. Auch legen wir Wert auf eine CO2-arme oder sogar CO2-neutrale Produktion. Am besten sind die Kleidungsstücke vegan und/oder aus recycelten Materialien hergestellt.

Wir benutzen Fair Fashion synonym zu Eco Fashion und Ethical Fashion, etc. auch wenn sich hier die Geister scheiden und richtige Fashionistas nun mit den Augen rollen mögen! 😉 Um es etwas transparenter zu gestalten haben wir ein paar Definitionen  herausgesucht:

Das Lexikon der Nachhaltigkeit definiert Fair Fashion wiefolgt:

„Wie der Name „Faire Mode“ oder zu englisch „Fair Fashion“ bereits vermuten lässt, wird Faire Mode nach fairen und ökologisch korrekten Produktionsbedingungen hergestellt. Das Angebot für faire Mode ist heutzutage enorm – sowohl in Geschäften als auch online – und deckt insbesondere typische Freizeitmode ab. Demzufolge befindet sich darunter alles – von T-Shirts über Sweatshirts, Kapuzenpullover, Trainingshosen, Leggings sogar bis hin zu einfachen Laufschuhen.“

Es beschreibt überdies die Begriffe „Grüne Mode“ , „Green Fashion“ oder „Öko-Mode“ wie folgt:

Die Begriffe „Grüne Mode“ , „Green Fashion“ oder „Öko-Mode“ stehen nicht nur für die Verwendung von nachhaltigen Stoffen und fairen Produktionsbedingungen, sondern auch für einen „Grünen Lifestyle“.

Wikipedia (ups) definiert Ethical Fashion wie folgt:

Ethical Fashion ist eine Begriffsneuschöpfung, die ein Konzept ethisch und ökologisch korrekter industrieller Kleidungsfertigung bezeichnet. Ähnlich wie social fashion, eco fashion oder Öko-Mode versucht ethical fashion eine Symbiose von Mode mit humaner Fertigung und Umweltverträglichkeit.

Wie man sieht gibt es einige Übereinstimmungen und meist Feinheiten, die zu einer Unterscheidung führen. Wir benutzen an dieser Stelle weiterhin den Begriff „Fair Fashion“ (oder deutsch „Faire Mode“) als Überbegriff für faire, nachhaltige, grüne, biologische Mode.

Warum ist nachhaltige Mode wichtig?

Dass sich niemand aussuchen kann, wo und unter welchen Umständen er auf die Welt kommt, sollte für die meisten Menschen Grund genug sein, sich die gleichen Rechte, Möglichkeiten und Lebensqualität für alle zu wünschen. Denn was ist fair daran, dass das zum dritten mal kaputt gegangene Smartphone das größte Problem eines 12-jährigen Jungen aus Deutschland ist, während ein 12-jähriges Mädchen aus Bangladesh die Sorge hat, dass sie heute nicht genug Geld verdient hat, um sich und ihre Geschwister zu ernähren. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es veranschaulicht die extrem unterschiedlichen Schicksale, die sich aus etwas so banalem wie dem Geburtsort ergeben können.

fair fashion

Die Gründe für eine Entscheidung für Faire Mode sind zahlreich und häufig nicht ganz einfach erklärt, wir möchten aber trotzdem den Versuch wagen, euch 5 Punkte mit an die Hand zu geben:

  1. Bei einem fairen Modelabel bezahlst du mehr für deine Kleidung – nicht, damit das Label oder der Shop mehr daran verdient, sondern damit die Arbeiter*innen in der Produktionsstätte fair für ihre Arbeit entlohnt werden.
  2. Nicht nur um die faire Bezahlung geht es bei der Entscheidung für Fair Fashion, auch um Sicherheit am Arbeitsplatz, ein regelmäßiges Einkommen und Kinderbetreuung der Arbeiter*innen sind wichtige Aspekte, um die sich nachhaltige Labels bemühen und die in der Fast Fashion Industrie vergeblich gesucht werden.
  3. Dank fairer Mode gelangen automatisch weniger Giftstoffe in unsere Umwelt, da meist zertifizierte Ökomaterialien eingesetzt werden. Nachhaltige Mode ist also auch immer eine Entscheidung für den Umweltschutz.
  4. Ist ein Kleidungsstück – oder welcher Gegenstand auch immer – teurer in der Beschaffung, gehst du naturgemäß vorsichtiger mit ihm um. Du bist mit deinem Smartphone sicherlich auch vorsichtiger als mit deiner Mütze, und lässt das eine weit weniger wahrscheinlich aus versehen in der U-Bahn liegen als das andere. So wertschätzt du ein fair produziertes und bezahltes Kleidungsstück auch besser und kaufst nicht mehr so häufig Neues ein, wenn du etwas mehr für ein Teil ausgibst.
  5. Mit Fair Fashion setzt du ein Zeichen in deiner Umgebung. Wenn du nach deinem tollen Pulli oder deiner schönen Hose gefragt wirst, dann kannst du einfach kurz erzählen, was es damit auf sich hat. Wer weiß, wem du damit den richtigen Denkanstoß gibst.

Infos zum Thema Fair Fashion

Spätestens seitdem im April 2013 der Rana Plaza-Komplex eingestürzt ist, eine Fertigungsfabrik für Kleidung in Bangladesh, wird das Thema Fair Fashion häufiger betrachtet und gewinnt immer mehr an Wichtigkeit.

Anlässlich des furchtbaren Unglücks wurde der Fashion Revolution Day gegründet, aus dem später sogar die Fashion Revolution Week resultierte. Innerhalb einer Woche im April wird hier Global auf das Thema Fair Fashion aufmerksam gemacht. Immer mehr Menschen stellen dazu ihren Kleidungsherstellern und -händlern die Frage „Who made my clothes?“. Immer mehr Menschen wenden sich von Fast Fashion Unternehmen wie Primark, H&M und Co. ab und erkennen, dass es sinnvoller ist, auf langlebige Kleidung in guter Qualität zu setzen. Auch werden große Kleidungshersteller immer häufiger in die Kritik genommen und unter Druck gesetzt, die Arbeitsbedingungen der Näher*innen zu verbessern und den Einsatz von giftigen Chemikalien, die sie für die Produktion einsetzen, einzudämmen.

fair fashion

Einige unserer Bloggerkolleg*innen haben schon sehr tolle Beiträge zu diesem Thema verfasst, und wenn wir sie doch nicht alle erwähnen können (obwohl gerne wollen), bekommt ihr hier eine kleine Auswahl:

Serintogo

Serintogo berichtet eindrucksvoll, wie sich ihre Einstellung gewandelt hat und was die Auslöser dafür waren – sehr mitreißend geschrieben.

Mehr als Grünzeug

Jenni von Mehr als Grünzeug beleuchtet, weshalb wir uns gerne von günstiger Kleidung und billiger Ware einlullen lassen und wie wir dieses Verhalten ändern können.

Umweltgedanken

Bei Umweltgedanken hat Anja einen ausführlichen Bericht über Baumwolle und ihre Bedeutung in unserer Gesellschaft und der Umwelt verfasst.

minimal vegan

Alina beschreibt auf ihrem Blog minimal vegan, wie sie Fast Fashion hinter sich ließ und warum.

miss interpreted

Bei miss interpreted bekommt ihr einen Guide, wie ihr am besten mit fairer und nachhaltiger Mode anfangt. Ausmisten, Listen machen, verstehen was wirklich nötig ist. Das alles gibt es im kostenlosen E-Book: The Alt. Fashion Guide.

Peppermynta

Es haben sich einige Siegel etabliert, die faire und nachhaltige Mode auszeichnen. Dazu gehören z.B. das mittlerweile sehr bekannte GOTS-Siegel oder die Fair Wear Foundation. Bei Peppermynta findest du einen ausführlichen Siegel-Guide.

Kissen und Karma

Wie ein Krimi liest sich Corinnas Artikel „Der Preis von billiger Kleidung – Ein Insiderbericht.“ Der Artikel ist sehr gut und deckt Fakten auf, von denen man nicht mal eine leiseste Idee hat, wenn man sich schon ein bisschen mit dem Thema auseinander gesetzt hat.

Wardrobe Revolution

Der Wardrobe Revolution Guide wurde von einer Gruppe Blogger*innen aus dem Fair Fashion Bereich zusammengestellt und bietet zahlreiche Infos, um den eigenen Kleiderschrank nachhaltiger zu gestalten. Das E-Book kann kostenlos heruntergeladen werden.

Wir hoffen, wir konnten euch damit einen kleinen aber feinen Einstieg in die Welt von fairer und nachhaltiger Mode bieten. In den nächsten Tagen verraten wir euch, was wir drunter tragen und warum nachhaltige Unterwäsche wichtig für uns ist.

6 In GREEN LIFESTYLE/ Wissenswertes

Die 13 häufigsten Fehler beim Mülltrennen und wie es richtig geht!

Dies ist ein Gastbeitrag von Anja von Umweltgedanken.
Besser Müll trennen als vom Müll gefressen werden

Besser Müll trennen als vom Müll gefressen werden

In diesem Gastbeitrag gibt dir Anja vom Blog Umweltgedanken wertvolle Tipps worauf es beim richtigen Trennen von Haushaltsabfällen ankommt. Viele Fehlwürfe lassen sich vermeiden. Wir räumen auf mit den wichtigsten Mythen beim Mülltrennen. Los geht’s mit ein paar Grundlagen zum Abfallaufkommen in Deutschland.

Der beste Abfall ist derjenige, der gar nicht erst anfällt

Deutschlands Haushalte produzieren laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr 51,1 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle. Ein Großteil des Mülls sind Verpackungen. Für die Produktion von Verpackungen sind Energie und Rohstoffe notwendig. Deshalb steht das Vermeiden von Verpackungsabfällen an erster Stelle.

Der Verpackungsverbrauch stieg im Jahr 2014 gegenüber 2013 um 3,8 % auf 17,8 Millionen Tonnen. Die Zunahme der Verpackungsabfälle wird laut Umweltbundesamt durch verschiedene Faktoren getragen:

  • Die Zunahme des Distanzhandels führt zu höheren PPK-Verpackungen (Papier-Pappe-Karton).
  • Es werden vermehrt kleine Füllgrößen oder vorportionierte Einheiten vom Verbraucher nachgefragt, was sich erhöhend auf den Verpackungsverbrauch auswirkt. Das liegt daran, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt.
  • Der Außer-Haus-Verbrauch von Lebensmitteln und Getränken (Coffee-To-Go) nimmt zu.
  • Die Convenience-Orientierung in Haushalten und Gewerbebetrieben steigt. Der Trend geht zu mehr funktionalen Verpackungen. Für ein leichteres Dosieren oder die Funktion des Wiederverschließens werden mehr Materialien gebraucht.

Wenn Müll nicht vermieden werden kann, sollten wir so viel wie möglich davon stofflich verwerten. Dadurch entstehen neue Produkte – das spart Energie und CO2 Emissionen. Der Rest landet in Müllheizkraftwerken und wird energetisch verwertet. In deutschen Müllverbrennungsanlagen wird Energie durch Wärmenutzung, Stromerzeugung oder Kraft-Wärme-Kopplung zurückgewonnen.

Mülltrennung in Deutschland ist eine Wissenschaft für sich © Stefan Redel – Fotolia.com

Mülltrennung in Deutschland ist eine Wissenschaft für sich © Stefan Redel – Fotolia.com

Fünfstufige Abfallhierarchie

1. Vermeiden, zum Beispiel Papierverbrauch einschränken, Zero Waste (Einkaufen in Unverpackt-Läden) oder plastikfrei leben, beim Einkaufen Stoffbeutel oder einen Korb mitnehmen und Plastiktüten (mittlerweile zum Symbol der Wegwerfmentalität geworden) vermeiden, auch die aus der Obst- und Gemüseabteilung
2. Vorbereiten zur Wiederverwendung, zum Beispiel Tauschbörsen, Reparaturcafés, Altkleidersammlung
3. Stoffliche Verwertung, zum Beispiel Herstellung von Recyclingpapier, Kunststoff-Rezyklate oder Einschmelzen von Altglas, Herstellung von Putzlappen aus nicht mehr weiterverwendbaren Alttextilien
4. Sonstige Verwertung, zum Beispiel energetische Verwertung (Müllheizkraftwerke) und Verfüllung (aufbereiteter Bauschutt im Straßenbau)
5. Beseitigung, das heißt die Deponie ist die letzte abfallwirtschaftliche Option, wenn die Abfälle nicht verwertet werden können, zum Beispiel bei hochgradig schadstoffbelasteten Abfällen (Deponie als Schadstoffsenke)

Damit wir überhaupt hochwertig recyceln können, wird in den Haushalten eine Vorsortierung der Abfälle vorgenommen. Jeder Deutsche produziert jedes Jahr fast eine halbe Tonne Haushaltsmüll.

Du kannst deinen Beitrag zur effizienten Nutzung unserer Ressourcen leisten, indem du die Abfälle richtig trennst. Da nicht jedem immer klar ist, in welche Tonne der Abfall gehört, wollen wir hier mit den wichtigsten Mythen beim Mülltrennen aufräumen.

Die 13 häufigsten Fehler beim Mülltrennen und wie’s richtig geht

Diese 12 Fehler passieren häufig beim Mülltrennen. Wir zeigen dir wie es richtig geht © K. C. – Fotolia.com

Diese 13 Fehler passieren häufig beim Mülltrennen. Wir zeigen dir wie es richtig geht © K. C. – Fotolia.com

 

Fehler Nr. 1 – Taschentücher gehören in die Papiertonne?

Nein! Wenn du benutzte Taschentücher hast, gehören diese in den Restmüll. Auch stark verschmutzte Papiere und aufgeweichte Pappe kommen in den Restmüll, da diese nicht mehr aufbereitet werden können. Saubere Servietten oder Küchenrollenpapier, dass nicht verschmutzt ist, kann ins Altpapier, denn diese Papiere enthalten sogenannte Nassfestmittel, die dafür sorgen, dass sich das Papier nicht direkt beim Kontakt mit Wasser auflöst. Geringe Mengen an verschmutzter Küchenrolle dürfen theoretisch auch in den Biomüll.

Fehler Nr. 2 – Joghurtbecher vor dem Wegwerfen ausspülen?

Viele spülen Verpackungen wie Joghurtbecher vorher aus, bevor sie in den Gelben Sack, in die Gelbe Tonne beziehungsweise Wertstofftonne wandern. Löffelrein beziehungsweise tropffrei reicht aus. Wenn du deine Verpackungen ausspülst, verschlechterst du die Ökobilanz und verschwendest Wasser. Zudem belastet das Spülmittel zusätzlich die Umwelt. Wer seinen Gelben Sack zum Beispiel im Keller zwischenlagern muss, kann natürlich spülen, damit sich keine schlechten Gerüche bilden.

Fehler Nr. 3 – Alufolie in den Restmüll werfen?

Alufolie gehört genau wie Konservendosen, Kronkorken und Schraubverschlüsse in den Gelben Sack beziehungsweise in die Gelbe Tonne. Da es in vielen Kommunen und Städten bereits eine Wertstofftonne gibt, gehören nicht nur Kunststoffverpackungen oder Konservendosen mit einem Grünen Punkt in die Tonne, sondern alle Kunststoffe und Metalle. Seit 2009 besteht keine Kennzeichnungspflicht mehr und Hersteller müssen den Grünen Punkt nicht abdrucken. Somit werden alle Verpackungen aus Kunststoff, Verbundstoffen oder Metall in der Gelben Tonne gesammelt.

Fehler Nr. 4 – Backpapier gehört ins Altpapier?

Backpapier ist beschichtet. Es gehört in den Restmüll. Auch der Tetra Pak, ein sogenannter Verbundstoff, der aus Kartonfasern, einer Kunststoffbeschichtung (innen) und Aluminium (damit kein Licht durchkommt) besteht, gehört nicht ins Altpapier. Tetra Paks kommen in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne beziehungsweise in die Wertstofftonne.

Fehler Nr. 5 – Fahrkarten und Kassenbons gehören ins Altpapier?

Fahrkarten und Kassenbons sind beschichtet (Bisphenol-A). Du kennst vielleicht den Begriff Thermopapiere in diesem Zusammenhang. Diese Thermopapiere gehören in den Restmüll und nicht ins Altpapier.

Fehler Nr. 6 – Blaues oder rotes Glas darf nicht in den Altglascontainer?

Wir kennen weiße, grüne und braune Glascontainer. Aber wohin mit blauen und roten Flaschen? Sie wandern ins Grünglas. Diese Mischung kommt beim Wiedereinschmelzen mit dem größten Anteil an Fehlfarben klar, so das Umweltbundesamt. Auch wichtig: Zerbrochene Trinkgläser und Fensterscheiben haben nichts im Altglascontainer verloren. Dieses Glas hat eine andere Zusammensetzung und nicht die gleiche Schmelztemperatur. Fensterglas gehört ebenso wie Porzellangeschirr oder Steingutflaschen in den Restmüll.

Fehler Nr. 7 – Nach Farben getrenntes Altglas wird in den Sammelfahrzeugen wieder zusammengeschüttet?

Nein! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Sammelfahrzeuge verfügen über mehrere Kammern mit Trennwänden, so dass die Glasfraktionen voneinander getrennt werden. In einigen Kommunen werden auch alte gegen neue Altglascontainer ausgewechselt.

Noch ein Tipp: Kaufe statt Einwegglas lieber öfter Mehrwegglas, denn dieses kann bis zu 50-mal wieder befüllt werden: Das spart Ressourcen und schont die Umwelt! Häufig sind Mehrwegsysteme auch mit einer stärkeren regionalen Produktion verbunden.

Fehler Nr. 8 – Plastikbecher platzsparend stapeln?

Das Umweltbundesamt sagt, dass wir das nicht machen sollen, denn Joghurtbecher oder Quarkbecher müssen die Sortieranlage einzeln durchlaufen.

Fehler Nr. 9 – Papierbeutel mit Sichtfenster dürfen ins Altpapier?

Am besten ist, wenn du das Kunststoffsichtfenster von dem Papier trennst. Das Papier darf dann ins Altpapier, das Sichtfenster wandert in die Gelbe Tonne. Gleiches gilt auch für Briefumschläge, die ein Sichtfenster haben.

Laut Umweltbundesamt dürfen auch Papiere mit wasserfesten Klebern nicht ins Altpapier, da sich dieser Kleber nicht löst. Bei Briefumschlägen reist du einfach den Selbstklebeverschluss ab und entsorgst diesen im Restmüll. Das gleiche gilt für die Adressetiketten.

Wachspapier und Pergamentpapier gehören ebenfalls in die Restmülltonne.

Fehler Nr. 10 – Elektrokleingeräte dürfen in den Hausmüll?

Nein! Das Elektrogesetz schreibt die Kennzeichnung mit einer durchgestrichenen Mülltonne zwingend vor. Das ist eine europaweite Vorgabe. Bei sehr kleinen Geräten darf dieses Zeichen auch auf der Verpackung abgedruckt werden. Wenn du ein Elektrogerät als solches identifizierst, gehört dieses nicht in den Hausmüll, egal ob klein oder groß. Erkundige dich an deinem Wohnort wo du die Elektrogeräte abgeben kannst. Meist werden diese Geräte auf einem Wertstoffhof gesammelt. Einige Kommunen bieten auch eine Abholung ähnlich wie beim Sperrmüll an. Viele Hersteller nehmen zudem deine alte Waschmaschine oder deinen Kühlschrank beim Kauf eines neuen Produktes an.

Fehler Nr. 11 – Altkleidersammlung ist unseriös?

Es kann schon passieren, dass es sich bei den Sammelcontainern, um unseriöse Anbieter handelt. Wenn zum Beispiel nur eine Mobilfunknummer abgedruckt ist und du den Anbieter nicht direkt erkennst, lass die Finger davon. Als Orientierung für seriöse Sammelorganisationen kann das Zeichen des Dachverbandes FairWertung e. V. dienen. Auch deine kommunale Abfallbehörde kann dich beraten welche Akteure die Sammlung durchführen und wie die gesammelten Altkleider später verwertet werden.

Fehler Nr. 12 – Pizzakartons und kunststoffbeschichtete Papiere gehören ins Altpapier?

Vorsicht, denn Pizzakartons, häufig auch mit fettabweisenden Beschichtungen versehen, sind oft mit Lebensmittelresten verunreinigt und sollen deshalb im Restmüll entsorgt werden. Das gilt für alle beschmutzten Pappen oder Papiere, zum Beispiel Pappteller, Servietten oder Tiefkühlverpackungen, die Reste von Lebensmitteln enthalten. Kunststoffbeschichtetes Geschenkpapier gehört ebenfalls in die Restmülltonne.

Auch bei Luftpolsterbriefumschlägen sind viele ratlos – entweder du trennst die Luftpolsterfolie vom restlichen Papier ab und wirfst diese in die Gelbe Tonne und das Papier ins Altpapier. Generell ist es aber so, dass alles was mehr Folie als Papier hat, in die Restmülltonne gehört.

Saubere Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton dürfen ins Altpapier oder in die Blaue Tonne, die es in einigen Städten gibt. Dazu zählen Waschmittelkartons, Eierkartons, Broschüren, Zeitungen, Bürobedarf und Bücher. Oberflächen- und zwischenbeschichtete Papiere oder Geschenkkarten mit Magnetstreifen dürfen nicht ins Altpapier.

Fehler Nr. 13 – Bioplastiktüten für Biomüll sind besser?

Im Handel werden Bioplastikbeutel angeboten. Viele Kommunen empfehlen diese Beutel nicht zu nehmen, da es beim Abbau in der Kompostierungsanlage zu Problemen führt. Dabei kommt es auf die Temperatur an. In Großkompostierungsanlagen zersetzen die Beutel sich zwar, doch bleiben Kunststoffpartikel zurück, weil diese Bioplastikbeutel meist nur zu einem bestimmten Anteil aus Bioplastik bestehen. Auf den Hauskompost gehören sie überhaupt nicht, da die Temperaturen bei der Zersetzung sehr viel geringer sind.

Je nachdem wo die Bioplastikbeutel produziert werden, könnte auch Genmais eine Rolle spielen, da die Bioplastikbeutel meist aus Maisstärke bestehen. Da können wir gar nicht mehr von Bio sprechen. Ich empfehle Bioplastiktüten nicht für den Biomüll zu nehmen, sondern Papiertüten zu verwenden.

Viele dieser Fehler habe ich selbst gemacht. Das Mülltrennungssystem in Deutschland ist tatsächlich eine Wissenschaft für sich.

Mein großer Dank gilt Jule und Raphael, dass ich meinen Beitrag zum richtigen Mülltrennen auf ihrem Blog veröffentlichen durfte. Wenn du noch mehr gute Tipps zum ressourcenschonenden Umgang mit Müll haben möchtest oder allgemein wissen willst, wie du nachhaltiger, gesünder und bewusster leben kannst, dann freue ich mich über deinen Besuch auf meinem Blog Umweltgedanken.

iKorb BSR Berlin

Müllkorb der BSR Berlin

Weiterführende Informationen:

Im Ratgeber „Abfälle im Haushalt – Vermeiden, Trennen, Verwerten“ vom Umweltbundesamt kannst du dich weiter über das richtige Trennen von Haushaltsabfällen informieren.

Du interessiert dich für das Abfallaufkommen von Verpackungen und die Recyclingquoten? Dann lies den Bericht des Umweltbundesamtes: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen 2014

Hast du Kinder und möchtest ihnen das Thema Müll vermeiden nahebringen? Dann habe ich eine schöne Broschüre vom Umweltbundesamt für dich: Nachrichten aus der Tonne. Leo und Polly Pop auf den Spuren des Abfalls

Schreib mir in den Kommentaren, wie du den Beitrag findest und welche Tipps du noch hast. Kennst du noch weitere Fehler, die beim Mülltrennen passieren können?

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden, wenn er dir gefällt.

Wir danken Anja von Umweltgedanken für diesen tollen Gastbeitrag und hoffen, dass er dazu beiträgt, das Thema Mülltrennung zu entmystifizieren.
Raphael und Jule
10 In GREEN LIFESTYLE/ Wissenswertes

8 Wege, sofort den eigenen Plastikmüll zu reduzieren

Dies ist ein Gastbeitrag von Jenni von Mehr als Grünzeug.
Adios Plastikmüll - Unverpackt einkaufen

Adios Plastikmüll – Unverpackt einkaufen

Plastikmüll ist doof. Er sieht nicht nur unästhetisch aus und fliegt unbeachtet in der Gegend herum – er ist außerdem zu einer umfassenden Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt geworden. Immer stärker werden die Rufe nach Plastikreduzierung, wenn nicht gar nach dem völligen Verzicht auf dieses einst als so wundersam geltende Material. Das Schöne an der Sache ist: Jeder und jede kann damit anfangen, mit dem Verzicht. Für sich selbst und ganz individuell – und mit großem und deutlich sichtbarem Erfolg. Wie das gehen kann, erfährst du hier.

Jenni von Mehr als Grünzeug

Jenni von Mehr als Grünzeug

Aber zunächst ein wenig zu meiner Person – ich möchte mich dir vorstellen, denn ich bin weder Jule noch Raphael, die diesen Blog hier ansonsten mit so wunderbar kreativem und aufschlussreichem Inhalt füllen. Heute bin ich hier zu Gast und schreibe für dich. Ich bin Jenni und blogge auf Mehr als Grünzeug seit etwas mehr als einem Jahr über Veganismus und nachhaltiges Leben. Neben vielen gesunden veganen Rezepten findest du kritisch-philosophische Überlegungen zu Konsum, (Tier-)Ehtik, Selbstfindung, Fair Fashion und auch ganz praktische Anleitungen für deine (ersten?) Schritte in ein nachhaltiges Leben (zum Beispiel eine Anleitung für einen Capsule Wardrobe oder erste Anlaufstellen für ein Leben nach Zero Waste). Ich freue mich, wenn du mich besuchen kommst!

Das Problem mit dem Plastik

Überall liest man mittlerweile davon, dass man doch besser seinen eigenen Plastikkonsum überdenken und besser auf nachhaltige Alternativen ausweichen sollte – und auch dieser Beitrag soll sich mit einigen praktischen Tipps um diese Thematik drehen. Doch warum sollte ich das eigentlich tun? Ist das nicht wieder irgend so ein Hipster-Öko-Ding, verbreitet von den möchtegern-coolen Menschen mit Jutebeutel und Mandala-Tattoo? Was ist eigentlich das Problem am Plastikmüll?
Damit du zumindest einen kleinen Einblick in dieses so weite Feld der Kunststoffe und ihrer Auswirkungen auf den Planeten und alles, was darauf lebt, erhältst, gibt es an dieser Stelle ein paar geraffte Fakten:

  • Weltweit werden geschätzt pro Jahr rund 60 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. Jeder in Deutschland lebende Mensch verbraucht ungefähr 24 Kilo Plastik pro Jahr.
  • Rund 80% dieses Plastikmülls gelangt in die Ozeane, wo es sich in immer kleinere und kleinere Partikel zersetzt – das sogenannte Mikroplastik. Bis zu 180.000 Plastikteile treiben laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) mittlerweile in jedem Quadratkilometer der Meere.
  • Diese riesigen Mengen an Plastikteilen kommen notwendigerweise mit den Meereslebewesen in Berührung: Die Tiere essen sie, verfangen sich in ihnen, ertrinken, ersticken, schnüren sich ihre Gliedmaßen durch Plastikmüll ab. Auf solche und ähnliche Weise sterben jährlich rund 100.000 Meeressäuger an Plastikmüll.
  • Auch Strände, die nach wie vor wie die wunderschönsten Sandparadiese ausschauen, sind in Wirklichkeit mittlerweile von Massen an Mikroplastik durchsetzt – die Plastikteilchen sind klein und feingerieben wie Sandkörner und auf den ersten Blick nicht von ihnen zu unterscheiden. Durch diesen Zersetzungsprozess werden allerdings sämtliche im Plastik enthaltenen Giftstoffe freigesetzt.
  • In den meisten Plastikarten sind Weichmacher und Phtalate sowie die besondere Weichmacher-Form BPA enthalten. Auf diese Stoffe werden eine Vielzahl der modernen Zivilisationsbeschwerden und -krankheiten zurückgeführt – unter anderem Diabetes, Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Fettleibigkeit. Außerdem stehen sie im Verdacht, die menschliche DNA zu verändern und in den Hormonhaushalt einzugreifen. (Näheres kannst du hier dazu nachlesen.) Die genauen Rezepturen kennt niemand – Wirtschaftsgeheimnis.
  • Und als wäre das noch nicht genug, schwimmt südöstlich von Hawaii seit Jahrzehnten ein stetig wachsender riesiger Müllstrudel mit dem Durchmesser des US-Bundesstaates Texas: der North Pacific Gyre. Auch hier werden die Plastikteile durch die enormen Umwelteinflüsse in immer kleinere Partikel zerrieben – und wieder in die Weltmeere hinausgeschickt. Bei diesem Prozess setzen sich unglaubliche in den Kunststoffen enthaltene Giftmengen frei, die anschließend im Wasser treiben (man hat Konzentrationen gemessen, die bis zu einer Million Mal höher sind als diejenigen des normalen Meerwassers) und sich natürlich auch in den Meereslebewesen ansetzen. Die dann auf unseren Tellern landen (wenn wir nicht gerade vegan leben).

Der Plastikkonsum bringt uns zusammengefasst also in erster Linie eines: Leid. Sowohl aus der Perspektive des Planeten als auch aus derjenigen seiner Bewohner, seien diese nun wir besonderen menschlichen Tiere oder alle anderen Lebewesen. Natürlich ist Plastik praktisch und bequem – aber die vielen Nachteile – von denen an dieser Stelle nur ein Bruchteil beleuchtet werden konnte – sprechen eine deutliche Sprache: Wir vergiften uns und alles andere Leben durch das Plastik. Damit wir es bequem haben. Und dieser Preis ist eindeutig zu hoch.

Was man tun kann: 8 Wege, Plastikmüll zu vermeiden oder zu reduzieren

Ob Politik und Wirtschaft oder doch besser die Verbrauchenden als erste Instanz handeln sollten, ist eine kontrovers geführte Diskussion, die an dieser Stelle nicht in allen Einzelheiten beleuchtet werden kann und soll. Nur so viel: Am Ende kann und muss es sicherlich ein Zusammenspiel aus beiden Lagern – dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Raum – sein, damit eine effektive und wirkungsvolle Vermeidung und in dieser Konsequenz auch Reduzierung des Plastikmülls erfolgen kann. Ich schlage vor, nicht zu warten, bis irgendwelche Kabinette und Ministerien wieder nach fünfjähriger Beratung irgendein Gesetz durchgewunken haben, sondern jetzt gleich und sofort jeder bei sich anzufangen und seine und ihre Macht als Konsument*innen zu nutzen. Dein Kassenbon ist dein Stimmzettel – es gibt keinen Satz, dem in diesem Zusammenhang mehr Wahrheit zukommt.

Tipp #1: Unverpackt einkaufen.

Es ist die garantierte Formel für einen sofortigen und spürbaren Plastikrückgang in deinem Haushalt um mindestens 80%. Wirklich: Wenn du unverpackt einkaufst, sparst du so unglaublich viel an Plastikverpackungen (die – ganz nebenbei bemerkt – sich auch echt hässlich im Küchenregal ausnehmen), dass dein Gelber Sack in der Küche auf einmal so gar keine Arbeit mehr hat und ein wenig traurig am Boden herumliegen wird.
Unverpackt-Läden sprießen mittlerweile glücklicherweise an immer mehr Standorten wie kleine Paradies-Blümchen aus dem Boden (hier findest du eine aktuelle Liste aller deutschen, österreichischen und schweizerischen Unverpackt-Läden), dass es eine wahre Freude ist, dieser Entwicklung zuzuschauen. Und du findest wirklich alles dort: alle Lebensmittel des täglichen Bedarfs, Hygiene-Artikel und Haushaltsbedarf, alles ist da. Natürlich ist die Ware nicht zum Discounter-Preis zu haben – aber du darfst dich berechtigterweise fragen, ob es das nicht wert ist und ob du nicht vielleicht doch lieber auf den Spanien-Urlaub oder das neue Auto verzichtest, um einen kleinen Teil für eine bessere Welt beizutragen.
Wer keinen dieser schönen Läden in erreichbarer Nähe hat, kann aber trotzdem Einiges zum weitgehend unverpackten Einkauf leisten: Kaffee kann beispielsweise lose erworben werden, genauso wie Obst und Gemüse einfach ohne Plastiktüten eingekauft werden kann (sowohl auf dem Gemüse- als auch im Supermarkt) und es gibt mittlerweile sogar einige plastikfreie Online-Shops, die verpackungsarm versenden und Artikel des täglichen Gebrauchs (außer Lebensmittel) im Sortiment führen (beispielsweise monomeer und plasno).

Unverpackt einkaufen

Unverpackt einkaufen

Tipp #2: Regional einkaufen.

Dieser Tipp hängt eng mit dem ersten zusammen: Wenn du regional (und saisonal) einkaufst, kannst du ebenfalls eine Menge Plastikmüll einsparen – vielleicht nicht offensichtlich, aber dafür umso mehr hinter den Kulissen. Die Ware, die du vom Bauern aus dem Nachbardorf kaufst, muss nicht auf plastikverschweißten Paletten durch ganz Europa gekarrt oder per Flieger über die Weltmeere befördert werden. Es braucht keine fünfhunderttausend Produktverpackungen, Frischhalteeinschweißungen, Sicherungspellets und dergleichen mehr. Du kaufst ein frisches Produkt, idealerweise direkt vom Feld oder Baum, mit ein paar Lagerungstagen vielleicht – aber mit wesentlich weniger Transport- und Verpackungsgeschichte, was übrigens auch deinem CO2-Karma zugutekommt.

Tipp #3: Reinigungsmittel und Kosmetika selbst herstellen.

Es ist mittlerweile eines meiner Lieblingsthemen: Du brauchst nicht so viel Kosmetik, wie dir die Werbeindustrie weißmachen will, um schön zu sein. Ganz ehrlich: Wir brauchen keine Creme für den Tag, für die Nacht, für nach dem Duschen, für die Augenringe, für die Hände, für die Füße, für das Gesicht, für den Körper, für den Winter, für die Lippen und am besten auch noch für die Nägel – um ganz sicher zu gehen. Brauchen. Wir. Nicht.
Ich weiß nicht, ob du bereits ähnliche Erfahrungen gesammelt hast – aber diese Vielzahl an Produkten überfordert auf der einen Seite (Was soll ich denn jetzt kaufen, welches Produkt ist für mich das richtige?), zieht einem auf der anderen Seite das Geld aus der Tasche, weil die meisten Artikel hoffnungslos überteuert sind und verschlimmert in der Regel sämtliche Beschwerden noch anstatt sie zu lindern. Abgesehen von der geballten Chemie, die in so ziemlich allen Produkten enthalten ist, die wir für die Aufwertung unseres äußeren Erscheinungsbildes nutzen, steckt in ihnen aber auch eine Menge Plastik – von der offensichtlichen Plastikverpackung (mit immer ausgefalleneren Motiven und Schriftzügen verziert) bis hin zum weniger sichtbaren und darum häufig vergessenen Mikroplastik, das bewusst beigemengt wird, um beispielsweise einen Peelings-Effekt zu erzielen. Man stelle sich vor: Du peelst dir deine Haut mit Plastik! Wer reibt sich freiwillig und bei gesundem Verstand Plastik ins Gesicht? Das dann übrigens wieder im Abfluss landet. Und von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden kann, da es für die Siebe zu fein ist – und direkt ins Meer gelangt.
Den eigenen Kosmetik-Verbrauch herunterzuschrauben, ist demnach eine absolut nachhaltige Idee – und gar nicht so schwierig wie man denken mag. Die besten Produkte und diejenigen, in die wir getrost unser ganzes Vertrauen legen können, haben wir nämlich schon zuhause: Sie befinden sich in der Küche und heißen beispielsweise Olivenöl und Kaffee. Aus diesen beiden Zutaten kannst du dir innerhalb von Minuten dein eigenes Peeling zusammenrühren, das Öl als Hautpflege für alles (!) nutzen und Müll sparen sowie mögliche allergische Reaktionen deines Körpers aufgrund der ganzen Chemie in konventionellen Produkten auf ein Minimum reduzieren.
Auch Zahnpasta und Deo kann selbstgemacht oder in müllarmer Form gekauft werden (als Zahnputztabs, als Stückzahnpasta oder festes Deo). Dasselbe gilt für Shampoo und Seife – Alepposeife ist hier der ungeschlagene Klassiker im Kosmetik- und Haushaltsbereich.

Reinigungsmittel selbst herstellen

Reinigungsmittel selbst herstellen

Tipp #4: To go ist out!

Sie sind inzwischen das Symbol für die Wegwerfgesellschaft und überquellende Mülleimer geworden: Coffee-to-go-Becher. Auch und gerade in der Blogging-Szene ist es nach wie vor stylisch, in und ein Statussymbol, sich mit Starbucks-Becherchen inklusive Plastikkappe beim Shoppen oder genüsslichen Kaffeeschlürfen zu portraitieren und der Blick in die Einkaufspassagen einer beliebigen Innenstadt bestätigt dieses Verhalten in der Realität vieler Menschen – ob es sich um den gehetzten Manager, die gestresste Bürodame oder einfach um den verspäteten Studenten handelt: Coffee to go war (und ist leider immer noch) mit Status behaftet. Woher das kommen und was an offensichtlicher Wegwerfmentalität Status sein soll, begreife ich nach wie vor nicht und ich hoffe, dass es vielen von euch ähnlich geht.
Kaffee kann man nämlich auch – und das mindestens genauso hip – aus Bechern genießen, die aus nachhaltigen und/oder schnell nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden: Edelstahl und Bambus sind hier beispielsweise zwei Alternativen, die durchaus bezahlbar und hübsch anzuschauen sind (hier gibt es ein paar Ideen für deinen nächsten Kaffeebecher). Und beim Kaffeekauf kann man so durch sein außergewöhnliches (?) Anliegen gleich auch bei den Mitarbeiter*innen das Signal hinterlassen, dass hier jemand nachdenkt und dass Bedarf besteht an nachhaltigeren Lösungen.

Tipp #5: Kein Bioplastik!

Es klingt toll: abbaubares Plastik. Sogenanntes Bioplastik erobert aktuell im Sturm sämtliche Ladenregale und scheint eine grüne Mülltütenalternative darzustellen, die relativ bequem zur bisherigen, nun in Verruf geratenen, Plastiktüte konsumiert werden kann. Doch das ist ein Irrtum und leider nichts weiter als Verbrauchertäuschung (böse Zungen ergänzen hier mental ein „Mal wieder“): Bioplastik ist alles andere als nachhaltig – in den meisten Fällen ist es nämlich (entgegen der Deklarierung) nicht einmal kompostierbar. Und falls doch, dauert dieser Vorgang für die Mülldeponien, auf denen die Tüten landen, viel zu lange: Sie müssen mit der Hand herausgefischt werden, da sie andernfalls die Maschinen und Netze verstopfen und/oder giftige Gase freisetzen. Wenn diese Tüten überhaupt kompostierbar sind, dann nur unter beschleunigter industrieller Kompostierung, aber nicht auf natürlichem Wege. Tüten aus Bioplastik sind daher nicht besser als solche aus konventionellem Plastik und sollten tunlichst vermieden werden.

Tipp #6: Reuse & Recycle!

Neben dem, was man alles kaufen oder nicht kaufen sollte, geht ein wichtiger Faktor oftmals unter: Am allernachhaltigsten ist es sicherlich, das weiterzuverwenden, was man bereits besitzt. Im Falle der Lebensmittel und Produkte des täglichen Gebrauchs ist das sicherlich nicht umsetzbar, da man naturgemäß hier auf ständigen Nachschub angewiesen ist – doch bei Möbeln, Rohmaterialien zum Bauen und Basteln oder einfach sämtlichen alten Gegenständen, die man im Haus hat, sieht das bereits ganz anders aus. Einen Stuhl übrig, der irgendwie nicht mehr in die Küche passt? Warum nicht als Wäscheablage im Schlafzimmer verwenden – oder ihn gleich ganz auseinanderbauen und seine Einzelteile für ein neues Regal verwenden? Alte Weinkisten im Keller gefunden? Die geben, richtig in Szene gesetzt, wunderbare Deko-Objekte ab! Klappert Vintage-Märkte, Flohmärkte und Second-Hand-Shops ab – ihr werdet erstaunliche Schätze finden! Und zwar in jedem Bereich, ob das nun Einrichtung, Kleidung oder Omas Kaffeetasse betrifft. Und falls ihr irgendwann einmal keinen Gefallen mehr an euren eigenen Habseligkeiten findet, führt euch der Weg ebenfalls wieder an solche Örtlichkeiten (ob online oder offline) und definitiv nicht direkt zur Mülltonne. One man’s trash is another man’s treasure.

Tipp #7: Weniger und bewusster konsumieren.

Wenn wir mit offenen Augen durch unsere Welt gehen, dann registrieren wir eigentlich ziemlich schnell eine Sache: Jeder will Geld von uns. Und uns im Gegenzug irgendein Produkt andrehen. Mit dem Versprechen, dass wir dieses Produkt unbedingt in unserem Leben brauchen und prinzipiell gar nicht ohne es weiterleben können, keine Sekunde lang – wir wussten das bisher nur nicht.
Ob Internet, Zeitung, Fernsehen, Radio, auf der Straße, in der Bahn, in der Stadt – überall werden wir mit Werbung zugebombt, die uns weismachen möchte, was der neueste Trend in Sachen Mode ist und uns mit einer Kette an hochfliegenden Versprechungen zu verführen trachtet (du wirst besser, jünger, schöner, vitaler, produktiver…sein).
Die Kunst liegt darin, diese Verführungen zu ignorieren, hinter die Fassade aus polierten Werbeflächen und Photoshop-Models zu blicken und das zu erkennen, was hinter jeder, jeder, jeder Anzeige steckt: Der Wunsch, dass du dein Geld ausgibst. Dafür. Und zwar jetzt. Sofort. Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, willst du das gar nicht – dass Leute so über dich bestimmen und dir sagen, wann du was kaufen und was du besitzen sollst. Und dass das im Wochentakt wechselt – weil: Die nächste Saison kommt, jetzt ist schon wieder etwas Neues da, Auflage sowieso und Label überhaupt. Du musst Schritt halten, wird dir gesagt – aber willst du das überhaupt? Wie wäre es einmal mit einem Zurücktreten, mit einem Genießen von dem, was ich habe, mit einem Zufriedensein anstelle vom hungrig-gierigen Mehrmehrmehr?

Tipp #8: Spread the word!

Es ist natürlich absolut vorbildlich, wenn du für dich bereits einen nachhaltigen Lebensstil entdeckt und vielleicht alle Punkte auf dieser (unvollständigen) Liste für dich erfolgreich umgesetzt hast. Aber: Es gibt dort draußen immer noch Millionen und Milliarden von Menschen, die es anders machen. So, wie die Industrie das gerne hätte – verschwenderisch, vielleicht weniger reflektierend. Wir möchten keine überheblichen Thesen darüber aufstellen, warum das so ist, wieso denn hier keiner außer uns nachdenkt (denn das ist sicherlich nicht so) und dass diese Menschen ja auch gefälligst mal von selbst darauf kommen könnten, ihr Leben zu ändern und sich und der Umwelt was Gutes zu tun.
Mit dieser Einstellung – die wir glücklicherweise und hoffentlich nicht haben – kommen wir nicht weit, weder für uns persönlich noch für irgendeine Botschaft oder ein Ziel, das wir verfolgen. Stattdessen sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen, andere Menschen sensibilisieren, den Austausch suchen, vor Konfrontationen – die es sicherlich geben wird – nicht zurückschrecken und zum Nachmachen anregen. Immer auf Augenhöhe, immer authentisch und nie verbissen. Es geht nicht darum, das perfekte nachhaltige Leben aus dem Boden zu stampfen und bis ins kleinste Detail alles „richtig“ zu machen (was ist überhaupt „richtig“?). Es geht darum, sich der aktuellen Situation bewusst zu werden und für sich persönlich anzufangen, etwas dagegen zu unternehmen. Wenn wir andere Menschen auf diese Reise mitnehmen und sie für dasselbe Projekt begeistern und motivieren können, ist das umso schöner. Gemeinsam schafft man so viel mehr – in freundschaftlicher Zusammenarbeit, nicht im neidvollen Übertrumpfungs-Konkurrenzkampf.
Auf geht es – in ein nachhaltiges Leben für uns alle!

Mehr Infos über Jenni findet ihr auf ihrem Blog Mehr als Grünzeug!

Mehr als Grünzeug

Quellen:

http://www.plastic-planet.de/hintergrund_plastikalsproblem.html

 

Wir danken Jenni von Mehr als Grünzeug für diesen überaus spannenden und aufschlussreichen Gastbeitrag.
Raphael und Jule