Müll richtig trennen

Die 13 häufigsten Fehler beim Mülltrennen und wie es richtig geht!

Dies ist ein Gastbeitrag von Anja von Umweltgedanken.
Besser Müll trennen als vom Müll gefressen werden
Besser Müll trennen als vom Müll gefressen werden

In diesem Gastbeitrag gibt dir Anja vom Blog Umweltgedanken wertvolle Tipps worauf es beim richtigen Trennen von Haushaltsabfällen ankommt. Viele Fehlwürfe lassen sich vermeiden. Wir räumen auf mit den wichtigsten Mythen beim Mülltrennen. Los geht’s mit ein paar Grundlagen zum Abfallaufkommen in Deutschland.

Der beste Abfall ist derjenige, der gar nicht erst anfällt

Deutschlands Haushalte produzieren laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr 51,1 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle. Ein Großteil des Mülls sind Verpackungen. Für die Produktion von Verpackungen sind Energie und Rohstoffe notwendig. Deshalb steht das Vermeiden von Verpackungsabfällen an erster Stelle.

Der Verpackungsverbrauch stieg im Jahr 2014 gegenüber 2013 um 3,8 % auf 17,8 Millionen Tonnen. Die Zunahme der Verpackungsabfälle wird laut Umweltbundesamt durch verschiedene Faktoren getragen:

  • Die Zunahme des Distanzhandels führt zu höheren PPK-Verpackungen (Papier-Pappe-Karton).
  • Es werden vermehrt kleine Füllgrößen oder vorportionierte Einheiten vom Verbraucher nachgefragt, was sich erhöhend auf den Verpackungsverbrauch auswirkt. Das liegt daran, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt.
  • Der Außer-Haus-Verbrauch von Lebensmitteln und Getränken (Coffee-To-Go) nimmt zu.
  • Die Convenience-Orientierung in Haushalten und Gewerbebetrieben steigt. Der Trend geht zu mehr funktionalen Verpackungen. Für ein leichteres Dosieren oder die Funktion des Wiederverschließens werden mehr Materialien gebraucht.

Wenn Müll nicht vermieden werden kann, sollten wir so viel wie möglich davon stofflich verwerten. Dadurch entstehen neue Produkte – das spart Energie und CO2 Emissionen. Der Rest landet in Müllheizkraftwerken und wird energetisch verwertet. In deutschen Müllverbrennungsanlagen wird Energie durch Wärmenutzung, Stromerzeugung oder Kraft-Wärme-Kopplung zurückgewonnen.

Mülltrennung in Deutschland ist eine Wissenschaft für sich © Stefan Redel – Fotolia.com
Mülltrennung in Deutschland ist eine Wissenschaft für sich © Stefan Redel – Fotolia.com

Fünfstufige Abfallhierarchie

1. Vermeiden, zum Beispiel Papierverbrauch einschränken, Zero Waste (Einkaufen in Unverpackt-Läden) oder plastikfrei leben, beim Einkaufen Stoffbeutel oder einen Korb mitnehmen und Plastiktüten (mittlerweile zum Symbol der Wegwerfmentalität geworden) vermeiden, auch die aus der Obst- und Gemüseabteilung
2. Vorbereiten zur Wiederverwendung, zum Beispiel Tauschbörsen, Reparaturcafés, Altkleidersammlung
3. Stoffliche Verwertung, zum Beispiel Herstellung von Recyclingpapier, Kunststoff-Rezyklate oder Einschmelzen von Altglas, Herstellung von Putzlappen aus nicht mehr weiterverwendbaren Alttextilien
4. Sonstige Verwertung, zum Beispiel energetische Verwertung (Müllheizkraftwerke) und Verfüllung (aufbereiteter Bauschutt im Straßenbau)
5. Beseitigung, das heißt die Deponie ist die letzte abfallwirtschaftliche Option, wenn die Abfälle nicht verwertet werden können, zum Beispiel bei hochgradig schadstoffbelasteten Abfällen (Deponie als Schadstoffsenke)

Damit wir überhaupt hochwertig recyceln können, wird in den Haushalten eine Vorsortierung der Abfälle vorgenommen. Jeder Deutsche produziert jedes Jahr fast eine halbe Tonne Haushaltsmüll.

Du kannst deinen Beitrag zur effizienten Nutzung unserer Ressourcen leisten, indem du die Abfälle richtig trennst. Da nicht jedem immer klar ist, in welche Tonne der Abfall gehört, wollen wir hier mit den wichtigsten Mythen beim Mülltrennen aufräumen.

Die 13 häufigsten Fehler beim Mülltrennen und wie’s richtig geht

Diese 12 Fehler passieren häufig beim Mülltrennen. Wir zeigen dir wie es richtig geht © K. C. – Fotolia.com
Diese 13 Fehler passieren häufig beim Mülltrennen. Wir zeigen dir wie es richtig geht © K. C. – Fotolia.com

 

Fehler Nr. 1 – Taschentücher gehören in die Papiertonne?

Nein! Wenn du benutzte Taschentücher hast, gehören diese in den Restmüll. Auch stark verschmutzte Papiere und aufgeweichte Pappe kommen in den Restmüll, da diese nicht mehr aufbereitet werden können. Saubere Servietten oder Küchenrollenpapier, dass nicht verschmutzt ist, kann ins Altpapier, denn diese Papiere enthalten sogenannte Nassfestmittel, die dafür sorgen, dass sich das Papier nicht direkt beim Kontakt mit Wasser auflöst. Geringe Mengen an verschmutzter Küchenrolle dürfen theoretisch auch in den Biomüll.

Fehler Nr. 2 – Joghurtbecher vor dem Wegwerfen ausspülen?

Viele spülen Verpackungen wie Joghurtbecher vorher aus, bevor sie in den Gelben Sack, in die Gelbe Tonne beziehungsweise Wertstofftonne wandern. Löffelrein beziehungsweise tropffrei reicht aus. Wenn du deine Verpackungen ausspülst, verschlechterst du die Ökobilanz und verschwendest Wasser. Zudem belastet das Spülmittel zusätzlich die Umwelt. Wer seinen Gelben Sack zum Beispiel im Keller zwischenlagern muss, kann natürlich spülen, damit sich keine schlechten Gerüche bilden.

Fehler Nr. 3 – Alufolie in den Restmüll werfen?

Alufolie gehört genau wie Konservendosen, Kronkorken und Schraubverschlüsse in den Gelben Sack beziehungsweise in die Gelbe Tonne. Da es in vielen Kommunen und Städten bereits eine Wertstofftonne gibt, gehören nicht nur Kunststoffverpackungen oder Konservendosen mit einem Grünen Punkt in die Tonne, sondern alle Kunststoffe und Metalle. Seit 2009 besteht keine Kennzeichnungspflicht mehr und Hersteller müssen den Grünen Punkt nicht abdrucken. Somit werden alle Verpackungen aus Kunststoff, Verbundstoffen oder Metall in der Gelben Tonne gesammelt.

Fehler Nr. 4 – Backpapier gehört ins Altpapier?

Backpapier ist beschichtet. Es gehört in den Restmüll. Auch der Tetra Pak, ein sogenannter Verbundstoff, der aus Kartonfasern, einer Kunststoffbeschichtung (innen) und Aluminium (damit kein Licht durchkommt) besteht, gehört nicht ins Altpapier. Tetra Paks kommen in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne beziehungsweise in die Wertstofftonne.

Fehler Nr. 5 – Fahrkarten und Kassenbons gehören ins Altpapier?

Fahrkarten und Kassenbons sind beschichtet (Bisphenol-A). Du kennst vielleicht den Begriff Thermopapiere in diesem Zusammenhang. Diese Thermopapiere gehören in den Restmüll und nicht ins Altpapier.

Fehler Nr. 6 – Blaues oder rotes Glas darf nicht in den Altglascontainer?

Wir kennen weiße, grüne und braune Glascontainer. Aber wohin mit blauen und roten Flaschen? Sie wandern ins Grünglas. Diese Mischung kommt beim Wiedereinschmelzen mit dem größten Anteil an Fehlfarben klar, so das Umweltbundesamt. Auch wichtig: Zerbrochene Trinkgläser und Fensterscheiben haben nichts im Altglascontainer verloren. Dieses Glas hat eine andere Zusammensetzung und nicht die gleiche Schmelztemperatur. Fensterglas gehört ebenso wie Porzellangeschirr oder Steingutflaschen in den Restmüll.

Fehler Nr. 7 – Nach Farben getrenntes Altglas wird in den Sammelfahrzeugen wieder zusammengeschüttet?

Nein! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Sammelfahrzeuge verfügen über mehrere Kammern mit Trennwänden, so dass die Glasfraktionen voneinander getrennt werden. In einigen Kommunen werden auch alte gegen neue Altglascontainer ausgewechselt.

Noch ein Tipp: Kaufe statt Einwegglas lieber öfter Mehrwegglas, denn dieses kann bis zu 50-mal wieder befüllt werden: Das spart Ressourcen und schont die Umwelt! Häufig sind Mehrwegsysteme auch mit einer stärkeren regionalen Produktion verbunden.

Fehler Nr. 8 – Plastikbecher platzsparend stapeln?

Das Umweltbundesamt sagt, dass wir das nicht machen sollen, denn Joghurtbecher oder Quarkbecher müssen die Sortieranlage einzeln durchlaufen.

Fehler Nr. 9 – Papierbeutel mit Sichtfenster dürfen ins Altpapier?

Am besten ist, wenn du das Kunststoffsichtfenster von dem Papier trennst. Das Papier darf dann ins Altpapier, das Sichtfenster wandert in die Gelbe Tonne. Gleiches gilt auch für Briefumschläge, die ein Sichtfenster haben.

Laut Umweltbundesamt dürfen auch Papiere mit wasserfesten Klebern nicht ins Altpapier, da sich dieser Kleber nicht löst. Bei Briefumschlägen reist du einfach den Selbstklebeverschluss ab und entsorgst diesen im Restmüll. Das gleiche gilt für die Adressetiketten.

Wachspapier und Pergamentpapier gehören ebenfalls in die Restmülltonne.

Fehler Nr. 10 – Elektrokleingeräte dürfen in den Hausmüll?

Nein! Das Elektrogesetz schreibt die Kennzeichnung mit einer durchgestrichenen Mülltonne zwingend vor. Das ist eine europaweite Vorgabe. Bei sehr kleinen Geräten darf dieses Zeichen auch auf der Verpackung abgedruckt werden. Wenn du ein Elektrogerät als solches identifizierst, gehört dieses nicht in den Hausmüll, egal ob klein oder groß. Erkundige dich an deinem Wohnort wo du die Elektrogeräte abgeben kannst. Meist werden diese Geräte auf einem Wertstoffhof gesammelt. Einige Kommunen bieten auch eine Abholung ähnlich wie beim Sperrmüll an. Viele Hersteller nehmen zudem deine alte Waschmaschine oder deinen Kühlschrank beim Kauf eines neuen Produktes an.

Fehler Nr. 11 – Altkleidersammlung ist unseriös?

Es kann schon passieren, dass es sich bei den Sammelcontainern, um unseriöse Anbieter handelt. Wenn zum Beispiel nur eine Mobilfunknummer abgedruckt ist und du den Anbieter nicht direkt erkennst, lass die Finger davon. Als Orientierung für seriöse Sammelorganisationen kann das Zeichen des Dachverbandes FairWertung e. V. dienen. Auch deine kommunale Abfallbehörde kann dich beraten welche Akteure die Sammlung durchführen und wie die gesammelten Altkleider später verwertet werden.

Fehler Nr. 12 – Pizzakartons und kunststoffbeschichtete Papiere gehören ins Altpapier?

Vorsicht, denn Pizzakartons, häufig auch mit fettabweisenden Beschichtungen versehen, sind oft mit Lebensmittelresten verunreinigt und sollen deshalb im Restmüll entsorgt werden. Das gilt für alle beschmutzten Pappen oder Papiere, zum Beispiel Pappteller, Servietten oder Tiefkühlverpackungen, die Reste von Lebensmitteln enthalten. Kunststoffbeschichtetes Geschenkpapier gehört ebenfalls in die Restmülltonne.

Auch bei Luftpolsterbriefumschlägen sind viele ratlos – entweder du trennst die Luftpolsterfolie vom restlichen Papier ab und wirfst diese in die Gelbe Tonne und das Papier ins Altpapier. Generell ist es aber so, dass alles was mehr Folie als Papier hat, in die Restmülltonne gehört.

Saubere Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton dürfen ins Altpapier oder in die Blaue Tonne, die es in einigen Städten gibt. Dazu zählen Waschmittelkartons, Eierkartons, Broschüren, Zeitungen, Bürobedarf und Bücher. Oberflächen- und zwischenbeschichtete Papiere oder Geschenkkarten mit Magnetstreifen dürfen nicht ins Altpapier.

Fehler Nr. 13 – Bioplastiktüten für Biomüll sind besser?

Im Handel werden Bioplastikbeutel angeboten. Viele Kommunen empfehlen diese Beutel nicht zu nehmen, da es beim Abbau in der Kompostierungsanlage zu Problemen führt. Dabei kommt es auf die Temperatur an. In Großkompostierungsanlagen zersetzen die Beutel sich zwar, doch bleiben Kunststoffpartikel zurück, weil diese Bioplastikbeutel meist nur zu einem bestimmten Anteil aus Bioplastik bestehen. Auf den Hauskompost gehören sie überhaupt nicht, da die Temperaturen bei der Zersetzung sehr viel geringer sind.

Je nachdem wo die Bioplastikbeutel produziert werden, könnte auch Genmais eine Rolle spielen, da die Bioplastikbeutel meist aus Maisstärke bestehen. Da können wir gar nicht mehr von Bio sprechen. Ich empfehle Bioplastiktüten nicht für den Biomüll zu nehmen, sondern Papiertüten zu verwenden.

Viele dieser Fehler habe ich selbst gemacht. Das Mülltrennungssystem in Deutschland ist tatsächlich eine Wissenschaft für sich.

Mein großer Dank gilt Jule und Raphael, dass ich meinen Beitrag zum richtigen Mülltrennen auf ihrem Blog veröffentlichen durfte. Wenn du noch mehr gute Tipps zum ressourcenschonenden Umgang mit Müll haben möchtest oder allgemein wissen willst, wie du nachhaltiger, gesünder und bewusster leben kannst, dann freue ich mich über deinen Besuch auf meinem Blog Umweltgedanken.

iKorb BSR Berlin
Müllkorb der BSR Berlin

Weiterführende Informationen:

Im Ratgeber „Abfälle im Haushalt – Vermeiden, Trennen, Verwerten“ vom Umweltbundesamt kannst du dich weiter über das richtige Trennen von Haushaltsabfällen informieren.

Du interessiert dich für das Abfallaufkommen von Verpackungen und die Recyclingquoten? Dann lies den Bericht des Umweltbundesamtes: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen 2014

Hast du Kinder und möchtest ihnen das Thema Müll vermeiden nahebringen? Dann habe ich eine schöne Broschüre vom Umweltbundesamt für dich: Nachrichten aus der Tonne. Leo und Polly Pop auf den Spuren des Abfalls

Schreib mir in den Kommentaren, wie du den Beitrag findest und welche Tipps du noch hast. Kennst du noch weitere Fehler, die beim Mülltrennen passieren können?

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Wir danken Anja von Umweltgedanken für diesen tollen Gastbeitrag und hoffen, dass er dazu beiträgt, das Thema Mülltrennung zu entmystifizieren.
Raphael und Jule

2 comments on “Die 13 häufigsten Fehler beim Mülltrennen und wie es richtig geht!Add yours →

  1. Meiner Meinung nach gibt es für alles das richtige Maß einer Strafe und für Faulheit sollte es nochmal eins draufgeben. Ich würde mir zudem wünschen das es mal eine EU Weite Richtlinie gäbe was die Mülltrennung anbelangt, schaut man in den Süden, könnte man Ohnmächtig werden.
    PS. richtig guter Artikel!

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